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Bonus: Schwierige MarktphasenLektion 2 von 6

Was wir aus Krisen lernen

12 Minuten Lesezeit

Die teuersten Lektionen der Börsengeschichte

Jede Krise ist anders. Aber die Fehler, die Trader und Anleger machen, sind erstaunlich konstant. Hier sind die wichtigsten Erkenntnisse – destilliert aus den drei großen Crashs.

Lektion 1: Krisen fühlen sich anders an als sie aussehen

Im Rückspiegel sehen Crashs aus wie offensichtliche Kaufgelegenheiten. Im Erleben fühlt es sich nach dem Ende der Welt an.

Beim Corona-Crash vom 23. März 2020 – dem absoluten Tief – glaubten die meisten Experten, der Markt würde noch viel tiefer fallen. Die Schlagzeilen: "Größte Depression seit 1929", "Kein Ende in Sicht", "Aktienmärkte könnten 70% fallen".

Wer an diesem Tag kaufte, machte +75% in einem Jahr.

Was du daraus nimmst: Kaufentscheidungen in Krisen emotional zu treffen ist fast unmöglich. Regelwerke müssen vorher existieren.

Lektion 2: Niemand erwischt das Tief – und das ist okay

Das perfekte Timing zu erwischen ist statistisch nahezu unmöglich. Aber: Es ist auch nicht nötig.

Wer beim S&P 500 während der Finanzkrise nicht am Tief (März 2009) kaufte, sondern erst 6 Monate später (September 2009) – also deutlich "zu spät" –, hatte nach 5 Jahren trotzdem über 100% Rendite.

Was du daraus nimmst: Nicht auf das "perfekte" Einstiegssignal warten. In Tranchen kaufen (z.B. 25% bei −30%, 25% bei −40%, etc.) reduziert das Timing-Risiko.

Lektion 3: Nachkaufen ohne Plan kann ruinieren

"Billig nachkaufen" klingt vernünftig. Aber wer in der Dotcom-Krise bei −30% nachkaufte und dann weitere −48% sah, hat psychologisch und finanziell enorm gelitten – und oft am schlechtesten Punkt (−78%) kapituliert.

Was du daraus nimmst: Nachkäufe brauchen Regeln: Wie viel Cash halte ich für Krisen zurück? Bei welchem Rückgang kaufe ich nach? Wie groß sind die Tranchen?

Lektion 4: Der Markt erholt sich – immer

In der gesamten Börsengeschichte gab es noch keinen Crash, von dem sich der breite Markt nicht erholt hat. Der S&P 500 hat jeden Crash überstanden: 1929, 1987, 2000, 2008, 2020.

CrashMaximaler VerlustVollständige Erholung
Schwarzer Montag 1987−34%2 Jahre
Dotcom 2000–2002−49%7 Jahre
Finanzkrise 2008–2009−57%5,5 Jahre
Corona 2020−34%5 Monate

Was du daraus nimmst: Buy-and-Hold funktioniert langfristig – wenn man die Nerven hat, die Tiefs durchzuhalten. Wer in Panik verkauft, realisiert den Verlust und verpasst die Erholung.

Lektion 5: Volatilität ist nicht das Risiko – Kapitalverlust ist das Risiko

Viele verwechseln Kursschwankungen mit Risiko. Ein Depot, das −40% fällt und sich vollständig erholt, hat kein dauerhaftes Kapital vernichtet. Ein Depot voller Einzeltitel, von denen drei insolvent gehen, hat dauerhaften Kapitalverlust.

Was du daraus nimmst:

  • Breite Diversifikation schützt vor Totalausfällen
  • Einzeltitel-Konzentration ist das eigentliche Risiko in Krisen
  • ETFs und diversifizierte Portfolios überstehen Krisen strukturell besser als konzentrierte Wetten

Lektion 6: Regelwerke brechen in Krisen – wenn man sie nicht vorher getestet hat

Die RSL-Strategie gibt klare Ausstiegssignale. Aber wenn der Markt −30% in einem Monat fällt und die RSL-Signale aller Positionen auf Rot stehen – folgt man dem System oder hält man durch?

Diese Frage muss man sich vor der Krise beantworten, nicht mittendrin.

Was du daraus nimmst: Schreibe dein Regelwerk auf. Definiere im Voraus: Was tue ich bei −20% Depot? Was bei −40%? Was wenn VIX > 40? Ein schriftlicher Plan hilft, in Extremsituationen rational zu bleiben.

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