Vom Wissen zum Handeln
Die schönste Theorie nützt nichts, wenn man im Crash zittert und falsche Entscheidungen trifft. Dieses Kapitel gibt konkrete Handlungsregeln – gestuft nach VIX-Niveau.
Das VIX-basierte Ampelsystem
Statt auf Gefühle zu hören, kannst du den VIX als objektiven Marktphasen-Indikator nutzen und dein Verhalten daran ausrichten:
Grün: VIX unter 20 – Normaler Markt
Was der Markt sagt: Ruhig, kaum Angst.
Dein Verhalten:
- RSL-Strategie normal fortführen: Signale kaufen, schwache Titel tauschen
- Optionsstrategien mit normalem Umfang: Covered Calls, Cash Secured Puts
- Keine besonderen Maßnahmen nötig
- Aufmerksamkeit: Ein VIX dauerhaft unter 13–14 ist oft ein Zeichen von Selbstgefälligkeit – Korrekturen entstehen oft aus ruhigen Phasen
Gelb: VIX 20–30 – Erhöhte Unsicherheit
Was der Markt sagt: Nervosität, Korrekturgefahr.
Dein Verhalten:
- Positionsgrößen leicht reduzieren (z.B. von 100% auf 80% investiert)
- Cash-Quote aufbauen – Trockenplader für günstigere Einstiege
- Optionen: Keine neuen Short-Positionen auf schwache Sektoren
- RSL-Signale strenger prüfen: Nur sehr klare Signale (hoher RSL-Abstand zum Index)
- Keine Nachkäufe in schwächelnden Positionen
Orange: VIX 30–40 – Stress
Was der Markt sagt: Krise in Gange oder Korrektur.
Dein Verhalten:
- RSL-Strategie konsequent: Alle Positionen ohne Signal sofort verkaufen
- Cash-Quote auf 30–50% erhöhen
- Keine neuen Optionen verkaufen – IV ist hoch, aber der Markt kann noch weiter fallen
- Optional: Erste kleine Kauftranchen (10–15% des Cash-Budgets) in breite ETFs (S&P 500, MSCI World)
- Täglich VIX-Termstruktur prüfen: Backwardation bestätigt Krisenmodus
Rot: VIX über 40 – Panik
Was der Markt sagt: Extremstress, oft nahe einem Boden.
Dein Verhalten:
- Ruhe bewahren – historisch ist VIX > 40 langfristig ein Kaufsignal
- Cash für schrittweise Käufe nutzen: Tranchen statt Alles-auf-einmal
- RSL-Strategie pausieren: In echter Panik sind alle RSL-Werte schlecht – das System wartet auf Stabilisierung
- Keine Short-Optionen – Margin-Calls und Gap-Risiken sind extrem
- Fokus auf Qualität: Solide Unternehmen / breite ETFs statt spekulative Titel
Die RSL-Strategie in Krisen
Die RSL-Strategie hat eine natürliche Schutzfunktion: Wenn der Markt fällt, verlieren alle Aktien ihr RSL-Signal – und das System signalisiert: verkaufen und in Cash gehen.
Typischer Ablauf in einer Krise:
- Markt fällt → RSL-Werte fallen unter Index-RSL → Verkaufssignale entstehen
- Woche für Woche werden schwache Positionen abgebaut
- Am Tiefpunkt ist das Depot oft vollständig in Cash
- Wenn sich der Markt erholt, entstehen neue Kaufsignale
- Das System kauft wieder – systematisch und emotionslos
Vorteil: Du musst nicht einschätzen, ob der Crash "jetzt vorbei" ist. Das System zeigt es dir.
Nachteil: Die schrittweisen Ausstiege können in schnellen Crashs (Corona: 33 Tage) zu langsam sein. Ein Teil der Verluste wird mitgemacht.
Dein persönlicher Krisenplan – jetzt schreiben
Schreibe bevor die nächste Krise kommt folgendes auf:
- Bei welchem Depot-Rückgang erhöhe ich Cash? (z.B. −10% → 20% Cash, −20% → 40% Cash)
- Bei welchem VIX-Level kaufe ich erste Tranchen? (z.B. VIX > 35 → erste 10%)
- Wie viele Tranchen plane ich? (z.B. 4 × 10% in Abständen von 2 Wochen)
- Welche Instrumente kaufe ich in Krisen? (ETFs? RSL-Signale? Einzeltitel?)
- Wann verkaufe ich panic-sold Positionen nicht zurück? (Disziplin-Regel)
Das Ziel: In der nächsten Krise öffnest du deinen Plan, liest Punkt 3 und handelst. Kein Zögern, kein Nachdenken. Der Plan gilt.