Warum Portfolios absichern?
In Bullenmärkten fühlt sich Absicherung unnötig an. Aber wenn ein Crash kommt (2008: −57%, 2020: −34%), sind Anleger ohne Absicherung in einer schwachen psychologischen Position und verkaufen oft am Tief.
Puts als Absicherung sind wie eine Versicherung: Du zahlst eine Prämie, die "verfällt" wenn nichts passiert – aber du bist geschützt wenn doch.
Protective Put
Der einfachste Hedge: Kauf einen Put auf deine Aktie oder deinen ETF.
Beispiel:
- 500 MSCI World ETF-Anteile à 80 € = 40.000 € Portfolio
- Kauf von 5 Put-Kontrakten (à 100 Anteile) Strike 75 €, Laufzeit 3 Monate
- Prämie: 1,50 € × 500 = 750 € (= 1,875% des Portfolios)
Schutz: Fällt der ETF auf 60 €:
- Portfolio-Verlust: (60 − 80) × 500 = −10.000 €
- Put-Gewinn: (75 − 60) × 500 = +7.500 €
- Netto-Verlust: nur −2.500 € statt −10.000 €
Collar-Strategie
Kombiniert Protective Put mit Covered Call – der Covered Call finanziert den Put teilweise oder komplett.
Beispiel (Nullkosten-Collar):
- Aktie bei 100 $
- Kaufe Put Strike 90 $ für 3 $ (Schutz nach unten)
- Verkaufe Call Strike 110 $ für 3 $ (gedeckelte Upside)
- Nettokosten: 0 $!
Ergebnis:
- Verlust begrenzt auf Bereich 100 → 90 $ = max −10 $
- Gewinn begrenzt auf Bereich 100 → 110 $ = max +10 $
Index-Puts für das Gesamtportfolio
Statt für jede Aktie einzeln zu hedgen, kann man Put-Optionen auf einen breiten Index kaufen (S&P 500, DAX):
- Vorteil: Einfacher, billiger, standardisiert
- Nachteil: Basisrisiko – der Index fällt nicht exakt wie das individuelle Portfolio
Wann hedgen?
- Bei hoher Portfoliokonzentration in einem Sektor
- Vor bekannten Risikoereignissen (Wahlen, Zentralbankentscheidungen)
- Wenn man emotional nicht mit einem 30%+ Drawdown umgehen könnte
- Bei kurzfristiger Unsicherheit (aber Langzeitüberzeugung bleibt)
Kostendisziplin: Dauerhaftes Hedgen kostet 2–5% p.a. und kann die langfristige Rendite erheblich drücken. Selektiv einsetzen!